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Zehn Mythen über Exchange Traded Funds

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Mythen über ETFs

Immer wieder werden wir auf Veranstaltungen oder in Leserbriefen zum Thema ETFs befragt. Heute möchten wir mit zehn Mythen über Exchange Traded Funds auf die wichtigsten Fragen eingehen.

Die Abkürzung ETF steht bekanntlich für Exchange Traded Funds. Einige Anbieter verwenden die Abkürzung aber auch für einfach, transparent und flexibel. Trotz der einfachen Struktur von Indexfonds gibt es bei einer Investition einiges zu beachten. Im Folgenden möchten wir die zehn größten Mythen über ETFs besprechen.

Mythos 1: ETFs bieten Steuervorteile gegenüber anderen Kapitalanlagen

Diese Aussage ist leider falsch. Bei ETFs werden Dividenden, Zinsen und Veräußerungsgewinne wie bei fast allen Kapitalanlagen seit Anfang 2009 mit dem Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer versteuert. Investoren mit einem niedrigeren persönlichen Steuersatz haben die Möglichkeit, zu viel gezahlte Steuern im Rahmen der Einkommensteuererklärung wieder zurückzuholen. Für Indexfonds, die in 2008 oder früher gekauft wurden, gilt Bestandsschutz. Das bedeutet, dass Veräußerungsgewinne dann nicht der Abgeltungssteuer unterliegen.

Mythos 2: ETFs sind nur für langfristige Buy-and-hold-Investoren sinnvoll

Wahrscheinlich traf diese Aussage noch bis vor einiger Zeit auf ein Gros der ETF-Anleger zu. Gerade für eine langfristige Buy-and-hold-Strategie eignen sich ETFs optimal, da sie ganze Indizes kostengünstig und transparent abbilden. ETFs bieten aber bedeutend mehr und sind auch für die Erreichung kurzfristiger Renditeziele sehr geeignet. Anleger, die den DAX abbilden wollen, haben beispielsweise die Möglichkeit, mit Short-ETFs (z.B. der Short-DAX-ETF von db x-trackers, ISIN: LU0292106241) auf einen Marktrückgang zu setzen, oder sie können mit Leveraged-ETFs überproportional an der Indexentwicklung teilhaben. Dass ETFs aktiv gehandelt werden, belegt auch eine andere Kennzahl. So lag die Turn-over-Rate beim iShares Emerging Markets ETF knapp 10 Prozent am Tag, das heißt statistisch gesehen wechseln 10 Prozent der Anteile des ETFs jeden Tag den Besitzer.

Mythos 3: ETFs sind nur für schnelles Investieren geeignet

Auch diese Annahme über ETFs gibt es. Begründet wird diese damit, dass ETFs von Spekulanten dazu verwendet werden, schnell und günstig an kurzfristigen Trends teilhaben zu können, langfristig seien aber häufig aktiv gemanagte Fonds überlegen. Dies ist so nicht richtig. Inzwischen wurde mehrfach wissenschaftlich erwiesen, dass weniger als die Hälfte der aktiv gemanagten Fonds kurz- und langfristig ihre Benchmark schlagen. Dies liegt unter anderem an den zum Teil sehr hohen Verwaltungsvergütungen bei aktiv gemanagten Fonds.

Mythos 4: Der Kostenvorteil von ETFs ist marginal

Die Kosten von Indexfonds liegen je nach Anlageklasse zwischen 0,1 und 0,5 Prozent. Bei aktiven Fonds liegen die Kosten zwischen 1,5 und 2,0 Prozent. Lassen Sie uns davon ausgehen, dass wir einen ETF mit 0,2 Prozent Kostenquote und einen aktiv gemanagten Fonds mit einer Kostenquote von 1 Prozent miteinander vergleichen. Wir gehen davon aus, dass beide Fonds vor Kosten die gleiche Performance erzielen (im Hinterkopf behalten wir, dass meistens ETFs die bessere Performance liefern). Nach Kosten sieht die Sache ganz anders aus, vor allem über einen langen Zeitraum. Nach 30 Jahren bei einer jährlichen Rendite von 5 Prozent hat das ETF-Portfolio knapp 400 Prozent zugelegt, das aktive Portfolio aufgrund der hohen Kostenquote jedoch nur um 325 Prozent. Bei höheren erwarteten Renditen verstärkt sich dieser Effekt noch dramatischer.

Mythos 5: Anleger sollten auf Leveraged-ETFs verzichten

In den letzten Monaten war viel Kritisches über Leveraged-ETFs zu lesen. Diese Hebel-ETFs sind neu auf dem Markt (z.B. der Lyxor-ETF LevDAX, ISIN: LU0252634307) und werden von Anlegern häufig nicht richtig verstanden. Deshalb gab es viel Unmut und Kritik über diese Art der Indexfonds. Das Problem an Leveraged-ETFs ist, dass Anleger nicht das bekommen, was sie erwarten. Sie sehen nach einem Jahr in das Depot und wundern sich, dass ihr Leveraged-ETF mit Hebel 2 weit weniger als versprochen zugelegt hat. Dies liegt daran, dass gehebelte ETFs nur die jeweilige Tagesperformance mit Hebel abbilden. Bei längeren Zeiträumen führt dies dazu, dass sich der Hebel-ETF von der erwarteten Faktor-2-Entwicklung entkoppelt. Dazu ein extremes Beispiel: Der DAX verliert an einem Tag 20 Prozent und gewinnt am nächsten Tag wieder 25 Prozent. Nach zwei Tagen steht der Index also wieder auf demselben Niveau wie zu Beginn der Betrachtung. Der Leveraged-ETF mit Hebel 2 verliert am ersten Tag 40 Prozent an Wert (2x 20 Prozent), z.B. von 100 Euro auf 60 Euro und gewinnt am zweiten Tag 50 Prozent (2x 25 Prozent), also von 60 Euro auf 90 Euro. Obwohl der Index wieder auf dem Ausgangsniveau notiert, liegt der Hebel- ETF um 10 Prozent unter dem Stand von vor 2 Tagen.

Mythos 6: Rohstoff-ETFs bilden aktuelle Marktpreise der Rohstoffe ab

Rohstoff-ETFs bieten einen einfachen Zugang zum Rohstoffmarkt. Viele Anleger glauben aber, dass Rohstoff- ETFs/ETCs die Entwicklung der Marktpreise eins zu eins abbilden. Dies ist aber falsch und liegt an der Struktur der meisten ETFs/ETCs. Diese ETFs/ ETCs investieren, aufgrund der hohen Lagerkosten für viele Rohstoffe, nicht in den physischen Rohstoff, sondern versuchen die Entwicklung mittels der verfügbaren Futures abzubilden. Wird ein Futures-Kontrakt fällig, muss er in den nächsten Kontrakt „gerollt“ werden. Dieses Vorgehen kann zu Rollgewinnen, aber auch zu Rollverlusten führen.

Mythos 7: ETFs bilden einen Index exakt nach

Anleger glauben, dass ETFs immer die entsprechenden Positionen des zugrunde liegenden Index in ihrem Portfolio halten. Dies stimmt aber häufig nicht. Viele ETFs bilden den Index mittels Swaps oder einer optimierten Aktienauswahl ab. Bei Swap-ETFs sind im ETF-Portfolio verschiedene Aktien enthalten. Mittels des Swap-Partners wird die Performance dieser im ETF gehaltenen Positionen gegen die des entsprechenden Index getauscht. Eine optimierte Aktienauswahl wird bei Indizes mit einer großen Anzahl von Indexbestandteilen verwendet (z.B. den MSCI World Index). Positionen mit einer geringen Gewichtung im Index werden dabei nicht berücksichtigt, da diese sowieso keinen Einfluss auf die Indexentwicklung haben.

Mythos 8: Die hohe Liquidität von ETFs macht Limit-Orders überflüssig

Richtig ist, dass viele ETFs, vor allem auf die großen Standardindizes, eine hohe Liquidität aufweisen. Teilweise bieten die Börsen deshalb schon einen ETF-Handel ganz ohne Spread an (z.B. die Börse Stuttgart). Limit-Orders sind aber dennoch nicht überflüssig. Gerade wenn man außerhalb der lokalen Handelszeiten oder abends handelt, sollte man unbedingt Limits setzen. Zudem gibt es mittlerweile viele ETFs auf Nischenmärkte, bei denen das Handelsvolumen eher gering ist. Dort sind Limits auch grundsätzlich immer zu empfehlen.

Mythos 9: ETFs werden aktiv gemanagte Fonds in Zukunft komplett ersetzen

Analysten erwarten, dass das Wachstum der ETF-Branche auch in Zukunft weitergehen wird. Die Wachstumsraten werden aber über die Zeit mit Sicherheit geringer ausfallen. Zudem haben aktiv gemanagte Fonds definitiv eine Daseinsberechtigung. Sie bieten Anlegern eine passgenaue Anlagestrategie, wo ETFs nicht passend sind. Zusätzlich wird es immer Fondsmanager geben, die ihre Benchmark schlagen und damit attraktiv für Investoren sind. Insgesamt betrachtet werden aktiv gemanagte Fonds noch eine lange Zeit eine dominierende Rolle spielen, aber der Markt verschiebt sich spürbar Schritt für Schritt.

Mythos 10: ETFs und aktives Management passen nicht zusammen

Viele von ETFs begeisterte Marktteilnehmer meinen, dass ETFs strikt passive Indexkonzepte abbilden sollten. Das lässt sich auch daran feststellen, dass die meisten Assets in die bekannten großen Indizies investiert werden. Aktive Indexkonzepte werden nur als Beimischung angesehen. Es gibt aber auch immer mehr „aktive“ Indexkonzepte, die quantitative Ansätze verwenden und damit die Indexzusammensetzung festlegen. Dazu zählt beispielsweise die Familie der RAFI-Indizes, bei denen die Indexbestandteile nach fundamentalen Kriterien und nicht nach Marktkapitalisierung gewichtet werden.

Fazit:

Sie sehen, für jeden Kritikpunkt an ETFs gibt es eine gegensätzliche Meinung. Wichtig ist, dass Anleger sich intensiv mit der Funktion von ETFs auseinandersetzen. So können Fehler oder Missverständnisse bereits im Vorfeld vermieden werden.

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Die Redaktion des EXtra-Magazins setzt sich aus erfahrenen Finanzexperten zusammen. Teilweise veröffentlichen wir auch Gastbeiträge auf unserem Portal. Wir lieben ETFs, Indexfonds und alles zum Thema Geldanlage und arbeiten täglich daran Ihnen die aktuellsten und nützlichsten Informationen zu liefern.